die folgende geschichte ist so unglaublich, dass man denken könnte sie hätte nie stattgefunden. aber tatsächlich ereignete sich es genauso vor 2 oder 3 wochen in meiner bescheidenen stadt. in meinem leben. ich hatte mal wieder etwas von einem großen online-anbieter bestellt und wartete sehnsüchtig auf die lieferung. tage vergingen und ich konnte mich nur schwer damit abfinden, auf die dvds und bücher zu warten. warten! was eine verschwendung des lebens. um 11 uhr morgens holte mich die wohnungsklingel aus meinen träumen. es musste wichtig sein, denn es klingelte mehrmals. nicht wie sonst täglich dieser postbote, der verzweifelt aufs komplette klingelbrett grapscht, damit irgendwer im haus ihm die tür öffnet. ich muß zu seiner verteidigung sagen, dass sich die briefkästen des hauses im flur befinden. man kann also seine sich jeden tag wiederholende prozedur ein wenig nachvollziehen. jeden tag, seine hand, das komplette klingelbrett, meine klingel, 11 uhr, ich raste aus!
ich drückte den automatischen türöffner und wartete auf den, der die klingel betätigt hatte. ich muß immer ein wenig länger warten, da ich im 5. stock wohne und nicht jeder gleich mit dem treppensteigen einverstanden ist. von weitem im flur erkannte ich einen dhl-boten. jeans, blaues hemd, geschmackvolle fliegersonnenbrille, trucker-cap. „paket für…“, sagte er mit tiefer stimme. ich bejahte und nahm das päckchen an. sofort sah ich, dass es sich um meine erwartete lieferung handeln sollte. bei solchen alltäglichen geschehnissen achte ich nicht so akkut auf die personen, aber an diesem tag war etwas anders. als der bote mir das display zum elektronischen unterschreiben unter die nase hielt, wanderte mein blick zu ihm hoch. irgendwie kam er mir bekannt vor. mir fiel sein großer dichtgewachsener schnäuzer auf. dieser mann musste schon mitte 70 sein. er hatte trotzdem etwas jugendliches. warum arbeitet ein so alter mann noch im dienstleistungsgewerbe und warum arbeitet er überhaupt noch? mein blick wanderte wieder runter zum display, ich musste noch die sendung quittieren! ich schielte am display vorbei und meine augen blieben auf seinen schuhen hängen. es waren trucker-boots. sie sahen amerikanisch aus, wenn ich das mal so erklären darf. schuhe, die man eher bei amerikanischen lkw-fahrern in amerikanischen filmen sieht. diese tragen meistens jeans dazu, ein dreckiges kariertes hemd, ein schmutziges cap und arbeiter-handschuhe baumeln aus der gesäßtasche. ich fing an meinen namen zu schreiben und der bote fragte: „ haben wir es bald?“ ich bemerkte ein unebenheit in seiner stimme, seiner sprache. dieser mann war kein deutscher. man hörte einen gewissen slang. egal woher er kam und wie lange er hier lebte, er sprach trotzdem gut deutsch. ich beendete meine unterschrift und übergab ihm den griffel, dabei blickte ich tief in sein gesicht. ich spiegelte mich in seiner sonnenbrille und erschrack. ich kannte diesen mann, aber woher? wer war er? er sagte: „danke, freund!“ dabei verzog er seine lippen, steckte sein quittiergerät ein machte eine seitliche bewegung richtung flurausgang, die so geschmeidig war, dass….ach, was weiß ich. es sah halt wie jahrelang gelernt aus. als hätte er diese bewegung schon tausendmal, sein hüfte schon öfters geschwungen.
ich blickte ihm nach. aus seiner gesäßtasche baumelten arbeiterhandschuhe. ich verinnerlichte seinen gang und plötzlich setzte sich ein bild in meinem von gedanken zerfetzten kopf zusammen. es gibt viele gerüchte über elvis presley. er sei nie gestorben, würde irgendwo noch leben, viele hätten ihn gesehen, er würde in den usa als trucker arbeiten. mein mund wurde trocken, ich war perplex. sollte dieser mann wirklich…das konnte nicht wahr sein. der king war doch 1977 in seinem badezimmer in memphis gestorben. es gab eine riesige beerdigung. er war tot. auf jeden fall dachte man das. ich konnte mich nicht wehren und stieß ein fragendes: „king! bist du es?“, heraus. er drehte sich in meinem hausflur um und legte seinen zeigefinger auf seine geschlossenen lippen. es war so, als wenn er mir gleichzeitig recht geben würde und mir trotzdem den mund verbieten will. ich schwieg. kurz bevor er zur treppe einbog, um das haus abwärts zu verlassen fing er an zu singen:
„Bright light city gonna set my soul
Gonna set my soul on fire
Got a whole lot of money thats ready to burn,
So get those stakes up higher
Theres a thousand pretty women waitin out there
And theyre all livin devil may care
And Im just the devil with love to spare
Viva las vegas, viva las vegas…”
ich dachte mir wow! the king has left the building. aber nicht irgendein gebäude, nicht irgendeine konzerthalle, sondern mein haus!
claus, 2008.
Schlagworte: elvis presley, gonzo, music
September 28, 2008 um 12:00 |
cool, ich hoffe, er kommt auch mal bei mir vorbei…..